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Mittwoch, den 30. März 2005, 20:55 Uhr (veröffentlicht von Christian Hölscher) [Permalink]

1945: Vor 60 Jahren fand der Erzbischof von Paderborn in Iggenhausen Zuflucht

Das Stadtgespräch im Westfälischen Volksblatt beschäftigt sich heute mit der Zuflucht des Erzbischofs Dr. Lorenz Jaeger in Iggenhausen vor fast auf den Tag genau 60 Jahren:

Den schweren Bombenangriff am frühen Abend des 27. März 1945 überlebte Erzbischof Dr. Lorenz Jaeger im Keller des Palais am Kamp. Noch in der Nacht zum 28. März radelte er allein nach Dörenhagen. »Ich habe dort Quartier gemacht für die Ordensschwestern aus dem Mutterhaus der christlichen Liebe und dem Josefshaus«, berichtet er im März 1980 im »Westfälischen Volksblatt«. Einige Bauern holten alte und kranke Schwestern morgens mit Pferdewagen am Stadtrand ab. Die Schwestern aus dem Palais kamen im Pfarrhaus in Iggenhausen unter.
Mit einigen Helfern rettete der Paderborner Oberhirte noch viele Unterlagen aus dem Keller des zerstörten Bischofhauses. Seine Erinnerung: »Zwischendurch hatten andere ausgeräumt und manche Dinge gestohlen. Es ist auch in Paderborn wie in allen bombardierten Städten viel gestohlen worden, teils durch ausländische Arbeiter, teils durch Deutsche.«
Aus dem Bischofskeller gerettetes Brauchbares wurde auf einem Leiterwagen zum Bauernhof Freitag an der Warburger Straße gebracht und dort verwahrt. Wilhelm Freitag wurde später Kreislandwirt.
Am Gründonnerstag war die Runde um Erzbischof Jaeger im kleinen Sauerdorf Iggenhausen komplett: Mit ihm lebten im Pfarrhaus bei Pastor Diekhans fünf Ordensschwestern, Bruder Peter Weber, Sekretär Dr. Gustav Ermecke und zeitweise auch Generalvikar Friedrich Maria Rintelen. Der erhielt von Jaeger den Auftrag, in Kleinenberg Räume für ein »Behelfs-Generalvikariat« zu reservieren.
Aus dem Tagebuch des Erzbischofs: »Gott hat uns in diesem Jahr einmal richtig in seine Passion hineingeführt und uns eine wirkliche Karwoche erleben lassen. Möge er uns nach diesen Leidenstagen einen wirklichen Ostertag voller Licht und Jubel schenken!« Dieser Wunsch wurde keine Wirklichkeit. Über Ostern 1945 rückten die Amerikaner in Städte und Dörfer der Region Paderborn. Sie erreichten über Grundsteinheim am 4. April vor 60 Jahren Iggenhausen um 19.25 Uhr.
Aus Jaegers Tagebuch: »Abends erschien in Iggenhausen ein amerikanisches Auto, besetzt mit vier Mann, die nach deutschen Soldaten fragten. Jetzt setzt wieder meine Erinnerung ein. Wir waren in Iggenhausen nach dem 17. Januar 1945 evakuiert bei Krögers. Ein Gleichaltriger und ich machten uns am späten Nachmittag zu Fuß auf den gefährlichen Weg nach Grundsteinheim. Dort sollten schon die Amerikaner sein. Wir Burschen, gerade 13 Jahre alt, trafen die Amis am Ortsausgang von Grundsteinheim und berichteten ihnen, die wenigen Soldaten in Iggenhausen wollten sich kampflos ergeben. Zwei US-Soldaten schwangen sich in den Jeep, wir kamen auf die Hinterbank.
Der 1975 verstorbene Erzbischof vertraute seinem Tagebuch an: »Der an der Straße stehende Posten zeigte ihnen den Weg zu der Scheune, in der seine Kameraden - ein Unteroffizier und neun Soldaten - lagen und sich kampflos ergaben. Anmerkung: Alle elf Gefangenen mussten auf Jeep und Ladefläche.
Bevor Lorenz Jaeger 1941 Erzbischof von Paderborn wurde, war er Divisionspfarrer. Er kannte sich in militärischen Dingen aus, geht aus seinem Bericht hervor: »Gegen 11 Uhr ging eine Batterie in Iggenhausen links und rechts der Straße nach Herbram in Stellung, bald danach noch eine Langrohr-Batterie, die sich gleich in Richtung Osten einschoss. Das Feuer wurde gelenkt durch einen Artillerieflieger. Abends protzten die Batterien wieder auf.«
Der 1988 verstorbene Generalvikar Rintelen berichtet über sein Iggenhausen-Erlebnis: »Am Karsamstag holte mich ein Bauer in seine Scheune, wo ein junger Leutnant, der desertiert war und sich versteckt hatte, beichten und kommunizieren wollte. Wer konnte ihm die Flucht aus der Truppe verübeln?« Ein Artikel von Georg Vockel


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