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Sonntag, den 27. Oktober 2002, 15:14 Uhr (veröffentlicht von Christian Hölscher) [Permalink]

Otto von Habsburg erhält die St.-Liborius-Medaille

Diözesanadministrator Weihbischof Hans-Josef Becker hat heute in einem Festakt in der Kaiserpfalz zu Paderborn Seiner Kaiserlichen Hoheit Dr. Otto von Habsburg (89) die St.-Liborius-Medaille für Einheit und Frieden in Anerkennung seiner Verdienste um die Einigung Europas überreicht. Der festliche Programm begann mit einem feierlichen Pontifikalamt im Hohen Dom zu Paderborn, dem Weihbischof Becker vorstand. Mit ihm feierten als Konzelebranten Weihbischof Paul Consbruch, Dompropst Dr. Wilhelm Hentze und Prälat Manfred Grothe, Ständiger Vertreter des Diözesanadministrators. In seiner Laudatio vor gut 270 Gästen aus Kirche, Politik und Gesellschaft zeigte Weihbischof Becker, wie vielfältig der Einsatz des Preisträgers für Europa war und ist. Er betonte, wie wichtig Menschen wie Otto von Habsburg für Europa seien, die sich auf einer christlichen Grundlage in Verantwortung vor Gott und dem Menschen für eine Zukunft in Gerechtigkeit und Frieden engagieren würden. Otto von Habsburg habe es in seinem Jahrzehnte langen Wirken verstanden, „Europa in seiner ganzen Dimension zu erfassen.“ Prälat Grothe erinnerte in seinem Begrüßungsansprache noch einmal daran, dass es der Wunsch des Ende Juli plötzlich verstorbenen Erzbischofs Johannes Joachim Kardinal Degenhardt war, die St.-Liborius-Medaille Erzherzog Otto von Habsburg zuzuerkennen. Prälat Grothe dankte dem Kardinal für die Stiftung der Medaille, die seit 1977 alle fünf Jahre an namhafte Persönlichkeiten in Würdigung ihres Engagements in Europa verliehen wird. Der Preisträger sagte in seinem Dankeswort, dass die St.-Liborius-Medaille für ihn vor allem eine Herausforderung darstelle: Denn die Idee Europa sei noch nicht vollendet. Die zentralen Herausforderungen eines zusammenwachsenden Europas zeigte Bundesverfassungsrichter a.D. Prof. Dr. Paul Kirchhof, Heidelberg, in seiner Festrede auf.

Prof. Kirchhof machte in seiner Festansprache deutlich, vor welchen Herausforderungen Europa steht. In einer offener werdenden Welt müsse man einen Ausgleich zwischen Generalisierung und Individualisierung finden. Europa dürfe trotz seiner notwendigen Offenheit seine Seele nicht verlieren. Entscheidend sei es, das Menschenbild zu definieren. Das Bekenntnis zur Würde des Menschen zeige, dass der Mensch zur Freiheit befähigt sei und dass allen Menschen diese Freiheit zukomme. Die menschliche Freiheit lasse sich in einer erweiterten Europäischen Union nur in einem „Konzept der Offenheit“ umsetzen. Die europäische Kultur sei im wesentlichen bestimmt durch das Christentum. Dieses christliche Erbe gelte es in Europa wach zu halten, um auch in Zukunft zielbewusst handeln zu können. Die Familien mit ihrem Erziehungsauftrag bilden dabei eine wichtige Grundlage. Zudem müsse man in der Europäischen Union überlegen, wie man die Elemente der Sozialität und der Solidarität verankern könne. Bislang stehe die Wirtschaftsunion im Vordergrund; der Weg zu einer politischen Gemeinschaft sei noch lang. Voraussetzungen für das Gelingen der Europäischen Union seien, so Kirchhof, die Grundprinzipien der Parlamentarischen Demokratie, die Aufgabenteilung nach Sachbereichen anhand des Subsidiaritätsprinzips und ein zukunftsweisendes Nachdenken über den Einsatz der jeweiligen Handlungsmittel. Europa habe eine fundamentale Chance, wenn es sich auf seine Mitte besinne. „Wir brauchen ein Europa der Visionen, ein Europa der Weitsicht“, forderte Kirchhof abschließend.

In seinem Dankeswort hob Erzherzog Otto von Habsburg hervor, dass es für ihn eine große Ehre sei, die St.-Liborius-Medaille entgegen zu nehmen, und dass seine Ernennung noch von Kardinal Degenhardt vorgenommen worden sei. Er sagte, dass viele christliche Werte in Europa verloren gegangen seien. Die derzeitigen Zustände in Europa seien jedoch nicht entmutigend. Die Frage nach Gott werde in verschiedenen Bereichen wieder ernsthaft gestellt. Man müsse mit Gott sprechen, anderenfalls würde er vergessen. „Es ist eine tragische Tatsache, dass heute auch in unserem öffentlichen Leben der Name des Allmächtigen kaum mehr aufscheint“, bekundete Otto von Habsburg. Aufgabe der Politiker sei es, Gott wieder in das öffentliche Leben einzubringen, damit die Erkenntnis erwache, dass der Allmächtige der Herr der Geschichte sei. Anschließend trug sich der Preisträger in das Goldene Buch des Erzbistums Paderborn ein.

Weihbischof Becker skizzierte in seiner Würdigung in wenigen Federstrichen das vielschichtige Leben und Wirken des Preisträgers, der manche Enttäuschung, Gewalt, Hass und Verfolgung habe durchleben müssen. „Ihren Einsatz für Europa, Ihr Bild vom Menschen, ja Ihre Vision von Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden für Europa und die Welt hat dies nicht zerbrechen können. Als Mitglied im Europäischen Parlament sei sich Otto von Habsburg zwei Jahrzehnte lang der Quellen bewusst gewesen, „aus denen die Völker Europas trinken, die ihre Identität speisen“. Europa brauche Visionen. Einheit in Vielfalt möge ein Schlagwort sein, mit dem sich Geschichte, Gegenwart und hoffentlich auch die Zukunft Europas kennzeichnen ließen. Eine gemeinsame kulturelle Tradition erscheine gefordert, die die Eigenheiten der verschiedenen Völker bewahre. Aufgabe der Christen sei es, in einem weltanschaulich pluraler werdenden Europa intensiver für den Glauben, das Evangelium, das christliche Menschenbild und christliche Werte einzutreten. Für das Engagement, Zeugnis und nicht zuletzt für die Visionen, die Otto von Habsburg bei der Gestaltung Europas eingebracht hat, dankte Weihbischof Becker dem Preisträger.

Mehr gibt es hier.

Quelle: Erzbistum-Paderborn.de


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