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Mittwoch, den 14. April 2004, 13:24 Uhr (veröffentlicht von Christian Hölscher) [Permalink]

Osterpredigt unseres Erzbischofs Hans-Josef Becker

Hier die Osterpredigt unseres Erzbischofs Hans-Josef Becker:

Erzbischof Hans-Josef Becker

Liebe Schwestern und Brüder!

Sie kennen das bekannte Sprichwort: „Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen.“ Es meint, eine schwere und bedrückende Situation sei glücklich vorbeigegangen oder überhaupt erst nicht eingetreten.

Der christliche Glaube sagt uns, dass an Ostern nicht nur der Stein vom leeren Grab Jesu weggewälzt wurde, sondern auch der Stein der Hoffnungslosigkeit, der bis dahin auf uns Menschen gelastet hatte.

Aber, ist das auch wahr? Kann aus einem Grab jemals Leben kommen? Singen wir vielleicht zu unüberlegt oder vielleicht zu oberflächlich: „Des Herren Sieg bricht in uns ein, da sprengt der Riegel Schloss und Stein, in uns will Christus Sieger sein. Halleluja!“ Singen wir es zu oberflächlich, um dann im Alltag nach anderen Quellen zu suchen, die unseren Durst nach Leben stillen könnten?

Jedenfalls: Maria von Magdala fühlte keine Osterstimmung, als sie gewahr wurde, dass der schwere Stein vom Grab weggenommen war.

Im Gegenteil: Das erste waren Schrecken und Verwirrung. Es war die Angst, der Leichnam des Gekreuzigten könnte gestohlen worden sein.

Da war keine Spur von Hoffnung, der Begrabene könne den Tod überwunden haben. Oder das offene Grab könne ein Zeichen seines Ostersieges sein. Da waren nur Ratlosigkeit und Furcht.

Liebe Schwestern und Brüder!

Warum ist die Osterbotschaft für uns so wenig umstürzend und so wenig lebensbestimmend? Weil es für uns einfach so sein muss, dass nach dem Karfreitag Ostern kommt? Es wird uns nicht mehr recht bewusst, dass ein Grab ein Grab bleibt, wer auch immer hineingelegt wird. Und das Grab ist nun einmal die Stätte des Todes.

Der eine oder andere von Ihnen kennt vielleicht die folgende Begebenheit:

Während der Judenverfolgungen unter dem Hitler-Regime lebte ein Mann eine Zeitlang in einem Grab eines jüdischen Friedhofes in Wilna. Während dieser Zeit schrieb er Gedichte. Und eines dieser Gedichte handelte von einer Geburt; denn in einem anderen Grab ganz in seiner Nähe gebar eine junge Frau einen Sohn. Der achtzig-jährige Totengräber stand ihr dabei zur Seite. Als das neugeborene Kind seinen ersten Schrei ausstieß, betete der alte Mann:

„Großer Gott, hast Du endlich den Messias zu uns gesandt?“ – Er glaubte, nur der Messias selbst könne in einem Grab geboren werden. Drei Tage später sah der Dichter, wie das Kind die Tränen seiner Mutter trank, weil sie ihm keine Milch geben konnte. Wahrscheinlich ist dieses Kind gestorben, und der alte Mann musste wieder eine Hoffnung mehr begraben [siehe Paul Tillich, Im Grabe geboren]. Und dennoch hatte er Recht: Nur der Messias kann aus dem Grab kommen; denn das Grab ist normalerweise die Stätte des Todes. Und nur die Macht Gottes kann aus dem Grab Leben erstehen lassen.

„Gekreuzigt, gestorben und begraben.“ – Ohne diese drei Partizipien gibt es keine Osterbotschaft und keinen Ostersieg! Wo nichts mehr zu hoffen ist, da setzt Gott mit seiner Macht und Liebe an – auch bei uns!

Für Maria von Magdala und die beiden Jünger, die zum Grabe eilten, war die Tat Gottes noch nicht zugänglich. Gott setzt für die Taten seiner Macht Zeichen, die unserem menschlichen Fassungsvermögen entsprechen – auch wenn es manchmal Geduld braucht, sie zu entdecken und richtig zu deuten. Auch sie gehören zum Weg, auf dem sich der Glaube entfaltet.

Wir hörten von Petrus und dem anderen Jünger (den Jesus liebte): Sie schauen und gehen in die Grabkammer. Die Grabkammer ist tatsächlich leer.

Aber die Tücher liegen zusammengefaltet in einer Ordnung, wie sie von Leichenräubern nicht zurückgelassen wird. Was ist nun wirklich geschehen? Da ist ein Zeichen – aber wie sollen sie es deuten?

Da war etwas Außergewöhnliches, das noch kein Beweis war, das aber wacher und aufmerksamer machte für das, was auf die Jünger zukam. Doch ohne die Begegnung mit dem Auferstandenen selbst hätten die Zeichen nicht zum Ziel geführt. Andererseits lässt sie der wachsende Glaube an den auferstandenen Herrn immer mehr erkennen, dass der Sinn und das Ziel der Schrift Jesus Christus ist. Da heißt es: „Er sah und glaubte.“ – Das war nicht der Anfang des Glaubens, sondern das Ziel eines langen Glaubensweges!

Liebe Schwestern und Brüder!

Ich sehe in dieser Osterperikope des Johannesevangeliums eine Ermutigung für uns, wenn wir entdecken, dass auch der Glaube dieser Zeugen nicht von Anfang an „fertig“ war, dass auch sie Zeit brauchten, bis alles durchstanden war: von der tiefen Erschütterung beim Kreuzestod Jesu, vom Erschrecken und der Bestürzung vor dem offenen Grab bis hin zum gläubigen Bekenntnis: „Der Herr ist wirklich auferstanden“ (Lk 24,34).

Er sah und glaubte – das ist in besonderer Weise für uns heute geschrieben im Sinne des Wortes des auferstandenen Christus an Thomas: „Selig sind die, die nicht sehen und doch glauben“ (Joh 20,29) – und ich füge hinzu: die im Wort der Schrift dem Auferstandenen begegnen, die im Sakrament der Eucharistie das Leben des Auferstandenen kosten.

Stehen nicht auch wir Heutigen immer wieder vor einem offenen Grab, nicht nur im wörtlichen Sinn, sondern auch vor den Gräbern unserer Enttäuschungen, der Misserfolge und der Hoffnungslosigkeiten? Und ist das Erste dann nicht auch bei uns Bestürzung, Schrecken und Niedergeschlagenheit? Wir erfahren dann: Unser Glaube beginnt zu wanken und zu schwanken, und Zweifel setzen uns zu.

In solchen Situationen sollten wir bedenken können, dass das alles schon einmal und immer wieder erfahren und durchstanden wurde - und dass gerade der Stein, der zuerst Anlass zum Erschrecken war, in Wirklichkeit Zeichen war für all das Bedrängende, das durch die Auferstehung Jesu von den Menschen genommen wurde.

Liebe Schwestern und Brüder!

Wir sehen den Auferstandenen nicht leibhaftig. Aber auch wir begegnen ihm persönlich im Zeugnis des Glaubens, der von ihm und seiner Todesüberwindung kündet.

Und unser Glaube ruht bekanntermaßen auf dem Zeugnis derer, die ihm nach seiner Auferstehung begegnet sind. Glauben ist nicht nur eine Entscheidung des einzelnen, sondern der Glaube des einzelnen ist hineingebunden in das Größere und Umfassendere des Glaubens der Kirche. In den beiden Jüngern, besonders in Petrus, eilt die Kirche zum Grab von Jerusalem, um angesichts des Zeichens des Todes die Auferstehung zu verkünden, die Auferstehung des Herrn und unsere eigene Auferstehung.

Es ist Petrus, es ist die Kirche, die unseren Glauben, auf der Auferstehung Jesu Christi gründend, weiter trägt. Manchmal mag ihr Zeugnis starr und wenig lebendig erscheinen, manchmal mag sie auf dem Weg in die Zukunft nachhinken, wie es im Bild Petrus auf dem Weg zum Grab getan hat. Aber die Kirche trägt eben nicht nur die Freude, sondern auch die Last des Glaubenszeugnisses und die Verantwortung für die ihr anvertraute Wahrheit, an der nicht gerüttelt werden kann und darf!

Doch erwecken wir nicht den falschen Eindruck! Unser Glaube lebt nicht nur aus Glaubensformeln und Glaubensdokumenten. Er braucht vor allem das lebendige Glaubenszeugnis einer konkreten Glaubensgemeinschaft, etwa der Ortskirche von Paderborn oder der einzelnen Gemeinde oder sogar noch kleinerer Gruppen. All diese Bezugsgruppen können nicht auf Petrus verzichten und damit auf die Kirche.

Aber sie brauchen auch den anderen Jünger, der mitläuft, der dynamischer zu sein scheint als Petrus. Wo diese Dynamik eines lebendigen Glaubens fehlt, droht die Gefahr einer Veroberflächlichung und einer Erstarrung des Glaubensvollzuges!

Liebe Schwestern und Brüder!

Wir feiern Ostern als ein Fest voller Hoffnung, voller Dynamik und daraus erwachsender Sendung von Menschen im Auftrag des Auferstandenen.

Wo unsere oft so lautstarke Welt betroffen schweigt, nämlich angesichts des Leidens und des Todes, da verkündet die Kirche Jesu Christi eine Botschaft, die allen Menschen sagt, dass ihr Weg nicht im Grab endet und dass der Mensch ein Ziel hat, für das zu leben sich lohnt.

Amen.

Quelle: Erzbistum-Paderborn.de


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