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Sonntag, den 08. Dezember 2002, 11:43 Uhr (veröffentlicht von Christian Hölscher) [Permalink]

Entdeckung im Supermarkt: Es gibt keine Schoko-Nikoläuse mehr!

„Aber klar haben wir Schoko-Nikoläuse!“ Der Supermarktchef weist mit kaufmännischem Besitzerstolz auf das riesige Sortiment und lächelt sein zufriedenes Weihnachtsgeschäft-Lächeln. Doch ach, wie stürzt es in sich zusammen als er hören muss: „Nein! Sie haben keinen einzigen Schoko-Nikolaus! Das sind allesamt Weihnachtsmänner!“ „Wie bitte?“ „Schoko-Nikoläuse müssen eine Mitra, also einen Bischofshut, und einen Bischofstab haben! Ihre haben nur Weihnachtsmützen und sind somit Weihnachtsmänner!“

Ratlosigkeit paart sich mit Unbill über diese scheinbare Pingeligkeit. Schließlich siegt der Geschäftsinn: „Vielleicht kann ich einen besorgen...“

Doch er kann nicht. Denn: Es gibt keine Schoko-Nikoläuse mehr. Ganz heimlich, still und leise haben sie sich aus dem Staube gemacht. Während in den Regalen Weihnachtsmänner die unangefochtene Oberhoheit haben - mittlerweile auf Skiern, Skateboards, Inlinern, mit Sonnenbrille oder gar in nicht ganz unverfänglicher Robe als "sexy Nicola" - ist ein echter St. Nikolaus, Bischof von Myra mit Mitra und Bischofsstab, in den Kaufhäusern als süßer Kakao-Heiliger nicht mehr zu erhalten.

Lediglich die Kirchenzeitung des Bistums Osnabrück versucht den Schoko-Nikolaus noch per Herz-Lungen-Maschine als bedrohte Spezies am Leben zu erhalten. Die Firma Riegelein in Cadolzburg bei Nürnberg wurde für eine Sonderproduktion in begrenzter Auflage gewonnen: „In einer versandsicheren und farbigen Geschenkverpackung, die auch eine Legende vom heiligen Nikolaus bietet, ist der heilige Mann (Vollmilchschokolade à 100 Gramm) erhältlich, solange der Vorrat reicht. Für Kindergruppen über Familienkreise bis hin zu Seniorengruppen, Caritaseinrichtungen sowie für Gemeinden und kirchliche Institutionen ein Angebot mit exklusivem Charakter.“

Der heilige Nikolaus, Bischof von Myra im 4. Jahrhundert, gehört wegen seiner Mildtätigkeit und als „Kinderbeglücker“, wie ihn das Lexikon für Theologie und Kirche nennt, zu den am meisten verehrten Heiligen. Seit dem 16. Jahrhundert füllt der Nikolaus in der Nacht vom 5. auf den 6. Dezember (seinem Festtag) die Stiefel oder Socken. Brave und fleißige Kinder belohnt er, faule lässt er von einem Gehilfen bestrafen: Knecht Ruprecht - auch Hans Muff, Krampus oder Klaubauf genannt. Eine Tradition, die sich bis heute hält. Doch fast zeitgleich mit den ersten Schoko-Nikoläusen im 19. Jahrhundert ging plötzlich der Weihnachtsmann als amerikanische Nikolaus-Metamorphose auf die Überholspur.

1809 trug der Weihnachtsmann in dem Buch "Knickerbockers Geschichten aus New York" des Schriftstellers Washington Irving einen "tiefen Hut mit breiter Krempe, eine riesige flämische Kniehose und lange Pfeife". In dem Gedicht "A Visit From St. Nicholas " von Clement Moore aus dem Jahr 1822 wird der Nikolaus als "pausbäckiger, pummeliger, alter Kobold" beschrieben.

Schließlich beauftragte 1931 die "Coca-Cola Company" den schwedisch-amerikanischen Zeichner Haddon Sundblom, den "Santa Claus" für eine Werbekampagne zu zeichnen. Sundblom schuf den heute um den ganzen Globus bekannten großväterlichen Weihnachtsmann mit Pausbacken, stattlichem Rauschebart und einem roten Mantel mit weißem Pelzbesatz. Seine Vorlage: der pensionierten Coca-Cola-Fahrverkäufer Lou Prentice. Der beispielslose Siegeszug des weihnachtlichen Kommerzes nahm seinen Lauf...

71 Jahre später steht der schokoladige Weihnachtsmann allein im Regal. Seine bischöflicher Kollege mit der „komischen Mütze“ war vielleicht auch zu kantig, zu schwer vermittelbar im säkularen Weihnachtsgeschäft. Aber gerade diese „komische Mütze“, die Mitra, erinnerte an das Bischofsamt, das Nikolaus nutzte, um Armen und Unterdrückten mit mildtätigen Gaben helfen zu können. Als die Kenntnis dieser Symbolik und der damit verbundenen Legende schwand, verschwand auch St. Nikolaus aus dem Schokoladen-Sortiment.

Der Schoko-Heilige war bekanntlich innen hohl und das aus gutem Grund: Er hatte außer dem Aufgegessenwerden keinen tieferen Sinn. Der wahre Nikolaus schon. Und so trotzt er jetzt zurecht dem süßen Kitsch eines hohlen Schokoladenmännchens. Ein Mann mit solcher Geschichte sollte nicht einfach nur stumpf vernascht werden.

Quelle: Katholische-Kirche.de


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